Mein Projekt

Seit 2 1/2 Monaten arbeite ich mittlerweile in der "Asociación Del Hogar Jesús, María y José", kurz "Hogar"  in einem sehr armen und heruntergekommenen Vorort von San José. Die Hogar ist wie ein Hort für Kinder im Alter von 3 bis 14 Jahren. Die Kinder sind von 7 Uhr morgens bis 17 Uhr nachmittags bei uns, wenn die Eltern arbeiten. In der Hogar bekommen sie Mahlzeiten, Schulutensilien, Kleidung, psychologische Unterstützung und Hilfe bei Hausaufgaben, kleine Unterrichtseinheiten. Für viele Kinder ist die Hogar wie ein zweites Zuhause. Sie bekommen nicht nur Unterstützung, sondern auch Aufmerksamkeit und Liebe. Viele Kinder kommen aus den schwierigsten Familienverhältnissen. Es ist manchmal kaum Geld für Essen oder Kleidung da, teilweise leben die Kinder mit mehr als 10 Geschwistern. Manche Kinder kommen jeden Tag in den gleichen Klamotten, weil sie keine anderen haben. Darin besteht unsere Aufgabe. Ihnen das zu geben, was sie brauchen. Sowohl materiell, schulisch, geistlich als auch psyschich. Ihnen ein zweites Zuhause zu bieten.

 

Ich arbeite Montags bis Freitags von 8 Uhr morgens bis 15 Uhr nachmittags. Frühstückspause ist um 10 Uhr und Mittagspasue zwischen 12 Uhr und 12:45 Uhr. Ich fahre immer mit dem Bus zur Arbeit. Da ich 15 km entfernt von meiner Arbeit wohne und ich hin und zurück jeweils 3 mal umsteigen muss, dauert meine Fahrt auch jeden Tag 2 Stunden hin und zurück. Aber ich bin hier in meinem Projekt so glücklich, sodass ich die Fahrt auf mich nehme, auch wenn es echt anstrengend ist. 

Die Hogar liegt in einem Vorort von San José, der von Wellblechhütten, Armut und riesigen Müllbergen auf der Straße geprägt ist. Dieser Ort gilt als sehr gefährlich und ist hier unter den Einwohnern durch die hohe Kriminalitätsrate und allgegenwärtige Armut sehr verrufen. Familien schlafen auf der Straße, Kinder und Hunde wühlen in den Müllbergen. Und aus solchen Verhältnissen kommen auch einige Kinder aus der Hogar.

Die Hogar selber besteht aus Klassenräumen, Toiletten, Büros, einem Fußballplatz und Spielgeräten für die Kinder, einer Küche, einem Essenssaal, einem Pausenraum, einem Lager und einer Bibliothek. Es ist nicht sonderlich groß und gerade wenn es regnet, bleiben den Kindern nur die überdachten Gänge zum Spielen. Also richtiges austoben findet in der Regenzeit nicht statt.

Die Kinder sind in 8 unterschiedliche Gruppen eingeteilt, in der Größe einer Klasse ungefähr. Die erste Gruppe besteht aus Kindern zwischen 3 und 6 Jahren, die älteste Gruppe aus Kindern zwischen 13 und 14 Jahren. Jede Gruppe hat einen eigenen Klassenraum, "aula" genannt. Es gibt Spielsachen, Schreibutensilien, Schreibtische, Materialien für die Lehrer, alles was man so braucht. Allerdings ist die Austattung nicht annähernd vergleichbar mit Klassen- oder Kindergartenräumen hier in Deutschland. Es gibt nur das Nötigste und die Dächer bestehen aus Wellblech und richtige Fenster gibt es auch nicht. Aber das stört die Kinder nicht. Sie sind froh über jedes Spielzeug, mit dem sie spielen können. Bei ihnen Zuhause gibt es in den seltesten Fällen Spielzeug und auch keinen Platz zum spielen.

Jede Klasse hat einen festen Lehrer, bzw. Betreuer. Das Verhältnis ist nicht wie bei Lehrern und Schülern, sondern eher wie bei Erziehern und Kindern. Die Beziehung ist viel liebevoller und voller Umarmungen. Es ist schön zu sehen, wie viel Halt die Kinder hier bekommen. Neben den "Lehrerinnen" gibt es noch einen Hausmeister, eine Leiterin, eine Sekretärin, zwei Psychologen, drei Köchinnen, die jeden Tag drei Mahlzeiten für die Kinder zubereiten (das Essen ist jeden Tag super lecker) und eine Reinigugskraft. Alle arbeiten zusammen und versuchen als Team, das Beste für die Kinderzu geben.

 

Jede Gruppe hat ihren eigenen Tagesablauf, Bei den Kleinsten steht viel Spiel, Spaß, Basteln und Singen auf dem Programm. Je älter die Kinder werden, umso größer sind die Lernphasen und kürzer die Pausen. Umso selbstständiger arbeiten sie und machen sich für die Schule fertig. Von der Hogar werden die Kinder nämlich auch immer abgeholt und zur Schule gebracht. Manche Kinder morgens, manche Kinder erst um 12. Es ist also nicht immer leicht zu  planen, wenn ich nicht weiß, wann, welche und vorallem wie viele Kinder da sein werden. Interpretation und Spontanität ist also angesagt :D.

 

Wie wird die Hogar eigentlich finanziert? Ja, das ist eine gute Frage. Die Hogar steht unter einer Organisation der Regierung, die solche Projekte finanziell unterstütt. Alle Ausgaben, die für die Kinder getätigt werden, können durch diese finanzielle Unterstützung gedeckt wurden. Diese Ausgaben sind: Essen, Kleidung, Schulutensilien, Materialien für den Unterricht, Schulgeld, Klamotten, Gehälter der Angestellten, Ausflüge, und noch vieles mehr. So könnte die Hogar auch überleben. Aber für alle anderen Ausgaben steht kein Geld zur Verfügung. Deswegen ist die Hogar sowohl auf Finanzielles als auch auf Sachspenden angewiesen. Außerdem veranstaltet die Hogar auch eigene Veranstaltungen. Wie zum Beispiel Flohmärkte oder Kuchenverkäufe mit den Kindern. Somit kann zum Beispiel die Erneuerung des kompletten Daches finanziert werden.

 

Meine Aufgabe besteht darin, da zu helfen, wo ich kann. Gerade am Anfang habe ich alle Kollegen und Kinder, den Tagesablauf, Aufgaben, und vorallem Spanisch kennengelernt. Ich habe in den unterschiedlichsten Gruppen geholfen und die Kollegen unterstützt. Mittlerweile ist mein Spanisch schon echt gut geworden und ich kann immer eigenständiger arbeiten und Aktivitäten und Unterricht vorbereiten. Das Ziel ist, dass ich bald jeden Tag, morgens und mittags in einer anderen Klasse bin und Englischunterricht gebe. Im Moment gebe ich schon in 3 Klassen regelmäßig Unterricht und bereite auch alles eigenständig vor. Der Englischunterricht besteht darin, das Gelernte aus der Schule zu vertiefen und alles von Anfang an nochmal aufzuarbeiten. Denn der Englischunterricht in den Schulen ist meiner Meinung nach nicht sonderlich weit ausgeprägt. Die meisten Kinder wissen im Alter von 14 Jahren noch nicht einmal genau. wie man sich begrüßt oder seinen Namen sagt. Mein Wunsch bsteht darin, dass zu ändern und mit meinen Mitteln und Kenntnissen, den Kindern so viel wie möglich beizubringen. Bei den Kleinsten besteht der Unterricht aus einfachen Englisch-Vokabeln, wie zum Beispiel dem Körper oder die Farben. Ich versuche, mit Liedern, Ausmalbildern, Tänzen oder Geschichten den Kindern die Englische Sprache näher zu bringen. Je älter die Kinder werden, umso mehr Wörter lernen sie, umso schwieriger wird die Grammatik und umso umfangreicher wird der Unterricht. Aber mir macht das alles unglaublich viel Spaß. Es ist ein schönes Gefühl von meinem Gelernten etwas an die Kinder weitergeben zu können. Ihnen etwas nützliches für ihre Zukunft mitgeben zu können. Und deswegen gehe ich jeden Tag mit einem Lächeln zur Arbeit. Auch weil ich weiß, dass wenn ich die Klassenräume betrete, erstmal eine große Gruppenumarmung um mich herum stattfinden wird. Was gibt es besseres, als solch einen Start in den Tag?

 

Aber es ist auch nicht immer einfach. Wenn man täglich sieht, wie schlecht es manchen Kindern geht. Wie man jeden Tag mitbekommt, wie manche Familien ums Überleben kämpfen. Wie traurig manche Kinder aussehen, weil sie wissen, dass wenn sie nach Hause kommen, das reinste Chaos auf sie wartet. Das gehört alles zu wahren Welt dazu. Und ich bin froh, so eine Erfahrung machen zu können. Zu wissen, dass ich den Kindern etwas Gutes tun kann. Wenn auch nur im ganz Kleinen. Aber dafür bin ich hergekommen und deswegen leiste ich meinen Internationalen Freiwilligendienst genau hier, und nicht in einem anderen Projekt.

 

Ich freue mich jetzt schon auf die Stunden mit den Kindern, auch wenn es nicht immer leicht werden wird und ich manchmal schlucken muss oder die Zähne zusammenbeißen werde, weil etwas anders läuft, als ich mir es vorgestellt habe. Aber das gehört dazu und wird mein Jahr hier unvergesslich machen. Genau so freue ich mich auf jedes Lachen mit den Kindern und jeden Ausflug, genau so auf jedes Projekt mit den Eltern der Kindern.

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